Operation-Comeback: Guttenberg als Internetbeauftragter nun für Meinungsfreiheit im Netz
Guttenberg, Klappe die Zweite: ‚Vorerst gescheitert‘ steht der Freiherr zu Guttenberg nun erneut auf der medialen Bühne. Als Kommissar für die EU soll er als Internetbeauftragter tätig sein. Seine Aufgabe: Menschenrechtsaktivisten in autoritär geführten Staaten eine Plattform bieten, um sich ohne Zensur und Gefahr von Sanktionen zu äußern.
Vorgeschlagen hat ihn die neue EU-Kommisarin für Digitales Neelie Kroes. Neelie who? Auch Medieninsidern ist dieser Name vollkommen unbekannt. Das Argument der Unbekannten für die Qualifikation der Stelle Guttenbergs: Er hätte ‚zwei Ministerien geführt, die für dieses Thema relevant sind‘. Fraglich ob diese Schnittstellen für seine neue Position überhaupt relevant sind. Eine Bezahlung für die Stelle gibt es für Guttenbergs Beratertätigkeit nicht – Mitarbeiter fehlen.

Ein Friedensangebot an das World Wide Web? Schließlich deckten Internetaktivisten erst die Copy-and-Paste Affäre des gefallenen CSU-Ministers auf; jetzt setzt er sich gerade für die Meinungsfreiheit im Internet ein. Ein Paradoxon! Von der Macht des Internets geschlagen will Karl-Theodor diese nun weiter ausbauen. Wenn Feinde zu Freunden werden?!

Die Publizistin Gertrud Höhler sieht das anders. ‚Guttenberg hat immer nur Auswege gesucht, um herum zu kommen, zu sagen: Ich bin ein Blender.‘ Die Tätigkeit in der EU-Kommission ist laut Höhler nur eine weitere Möglichkeit, um möglichst positiv im Fokus der Öffentlichkeit zu bleiben. ‚Er nimmt jeden Job an – egal ob der stimmt oder nicht.‘ Ungewiss ist, ob jemand zuvor dieses Amt bekleidet hat. Google hat darauf keine Antwort. Man munkelt: Hinter der Aktion stecken kluge Köpfe, die den Freiherr so wieder zurück in die Politik schleusen wollen. Ein skurriler Versuch, durch die Tür aus der er auf Grund seiner Copy-and-Paste Aktivitäten rausgeworfen wurde, wieder in das politische Leben einzutreten. Ob’s klappt hängt von seinem neuen Ghostwriter ab. Höchst gehandelte Anwärterin: Die EU-Kommisarin Neelie Kroes…

Das Wiki „Guttenplag“ lädt jeden User dazu ein an der Dokumentation der möglichen Plagiate, im Falle der Dissertation Guttenbergs mitzuwirken. Bei dem GuttenPlag Wiki handelt es sich – wie bei Wikipedia auch – um eine kollaborative Web 2.0 Plattform. Dem Prinzip eines Wikis folgend, ist auch hier jeder dazu eingeladen sich zu beteiligen und konstruktiv mitzuwirken.

Der Anspruch von GuttenPlag ist dabei rein wissenschaftlicher Natur. Laut eigenem Disclaimer möchte die Plattform klarstellen, dass die Zielsetzung  Ihrer „Aktion“ weder politische, noch persönliche Motive beinhaltet – sondern einzig dazu dienen soll, die „wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels in Deutschland zu sichern.“

Unbestritten bildet „Guttenplag“ eine Plattform, die es ermöglicht, viele User zusammenzubringen und einen mehr oder weniger zentralen Anlaufpunkt zur Konzentration relevanter Informationen und Fakten zum genannten Thema bereitzustellen. Wenn wir nun selbst einmal schauen wollen, ob denn auch wir ein Plagiat in der Dissertation des Herrn zu Guttenberg finden können, stellt sich zuerst die Frage: Woher bekomme ich den Text, auf dessen Grundlage die Suche nach Plagiaten beginnen kann? Natürlich ist ein solches Werk in der Regel auch als E-book, also auf schnellem Wege zu bekommen. Laut ntv.de hat der Berliner Verlag Duncker & Humblot aber die elektronische Version der Dissertation des Ministers aus dem Angebot genommen. Die gedruckte Auflage von rund 400 Exemplaren ist unterdessen ausverkauft. So leicht aber geben wir nicht auf. Die Suche nach plagiatsverdächtigen Textstellen in „Google“ zeigt uns dann endlich erste Ergebnisse.

Es scheint also genügend User zu geben, denen das genannte Werk vollständig oder in Passagen vorliegt, und die fleißig auf Plagiatssuche gehen. Die kollaborative Arbeitsweise im Wiki kann dabei sicherstellen, dass die strittigen Inhalte – hier plagiatsverdächtige Passagen – nicht nur in kürzester Zeit hinterlegt und damit für andere Personen und Überprüfungsmaßnahmen bereitgestellt werden, sondern dass diese auch von allen Redakteuren korrigiert und auch wieder gelöscht werden, wobei jede Änderung haarklein dokumentiert wird.

Ziel ist es dabei eindeutig und objektiv nachvollziehbare Fakten, „korrekte“ Fakten, zu schaffen. Möglicherweise trifft dies nicht auf alle indizierten Vorwürfe zu, bei denen nicht eindeutig geklärt werden kann, ob es sich wirklich um ein Plagiat oder nicht handelt.

Gerade hier wird ein großer Raum für subjektive Meinungen und Mutmaßungen geöffnet. Fraglich bleibt, ob sich eine derartige Plattform – trotz Disclaimer – auch in der Praxis von nicht hehren Motiven freisprechen kann. Dies trifft sicherlich auf Personen, die in der Öffentlichkeit stehen vielmehr zu. Nichtsdestotrotz bleibt es eine äußerst nützliche Grundlage für die bevorstehende Untersuchung der Bayreuther Prüfungskommission. Inwiefern diese wirklich auf die hier geschaffene Grundlage zurückgreift, wird sich zeigen.

Autor: Pia Stelbrink und Jens Schüler (Master-Studenten New Media Management)

Der Verteidigungsminister Dr. Karl Theodor zu Guttenberg hatte für seine Dissertation mit dem Titel „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ 2006 die Bestnote summa cum laude erhalten. Am Mittwoch, den 16.02.2011 veröffentlichte der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano seine Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg, die er bei einer Routineprüfung entdeckt hat. Er wirft dem Minister vor, mehrere Passagen anderer Autoren übernommen zu haben,  ohne sie kenntlich zu machen. Plagiatsjäger gehen weiter und listen aktuell im Internet mehr als 80 Textstellen auf, die Guttenberg abgekupfert haben soll, ohne korrekt darauf hinzuweisen. Guttenberg bestreitet dies. Sind die Plagiatsvorwürfe gegen Minister Guttenberg berechtigt, kann die Uni Bayreuth die Arbeit nachträglich als nicht bestanden werten. Das könnte den Verlust des Doktortitels bedeuten.

Zuständig für eine solche Entscheidung ist nach § 16 der Promotionsordnung die Promotionskommission der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Bayreuth. In § 16 der Promotionsordnung wird die „Ungültigkeit der Promotionsleistungen“ geregelt. Wörtlich heißt es: „(1) Ergibt sich vor der Aushändigung der Urkunde, dass sich der Bewerber im Promotionsverfahren einer Täuschung schuldig gemacht hat, so erklärt die Promotionskommission alle bisher erworbenen Berechtigungen für ungültig und stellt das Verfahren ein. (2) Wird die Täuschung erst nach Aushändigung der Urkunde bekannt, so kann nachträglich die Doktorprüfung für nicht bestanden erklärt werden. Die Entscheidung trifft die Promotionskommission.“ Demnach kann die Kommission die Promotionsleistung also für nicht bestanden erklären – sie muss aber nicht. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass der Doktorand während des Promotionsverfahrens getäuscht hat, was im Fall des Verteidigungsministers derzeit geklärt wird.

Die Kommission prüft derzeit die Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg. Die Universität hat den Minister aufgefordert, innerhalb von 14 Tagen eine Stellungnahme abzugeben. Aufgrund dieser Stellungnahme und weiterer Fakten wird die Kommission eine Empfehlung abgeben, die dann an die Fakultät weitergeleitet wird. Danach wird entschieden, ob und gegebenenfalls welche Konsequenzen die Fakultät ziehen wird.

Autor: Natalie Engelhardt und Larissa Velte (Master-Studenten New Media Management)