Selbst wenn es noch nicht viele sind, so gibt es auch in der “Medienstadt” Gütersloh Unternehmen, die Twitter erfolgreich einsetzen. Ein gutes Beispiel ist das Holiday Inn Express Hotel, das bereits in der Bauphase mit Twitter begonnen hat. So gab es schon Zimmerreservierungen bevor das Hotel fertig gebaut war. Gleichzeitig bewarben sich Lieferanten und Mitarbeiter über Twitter, sodass Hoteldirektor Gerd Ambrust keine einzige Zeitungsanzeige schalten musste. Inzwischen nutzt das Hotel Twitter, um Nischen ausfindig zu machen und zu besetzen, um mehr Hotelgäste ins Haus zu lotsen.

Auch die Medienfabrik twittert. Der Corporate Publisher will damit einerseits selbst Erfahrungen sammeln, andererseits diese auch an potentielle Kunden weitergeben, die Web 2.0 Anwendungen wie Twitter als immer wichtiger erachten. Neu ist ein Social Media Manager, der wie eine Art Redaktionssystem funktioniert und gegen eine Lizenzgebühr nutzbar ist. So können Unternehmen alle Mitarbeiter twittern lassen und behalten gleichzeitig die Kontrolle darüber, welche Kurznachrichten das Haus über den offiziellen Kanal verlassen.

Twitter hat sich vor allem bei Journalisten einen Namen gemacht. Freischaffende Kollegen, wie Alexander Franz Köllner aus Gütersloh können hier sich und ihre Arbeit präsentieren und sich so wirkungsvoll ins Gedächtnis rufen. So entstehen neue Aufträge. Aber auch fest angestellte Redakteure, wie beispielsweise die von Radio Gütersloh nutzen Twitter wegen der neuen Recherchemöglichkeiten immer intensiver. So plaudern Politiker schon mal Details aus Fraktionssitzungen aus oder Augenzeugen stellen ihre Erlebnisse vor. All das verschafft Journalisten einen kostenlosen und doch unbezahlbaren Informationsvorsprung.

Nach 2 Monaten Arbeitsaufenthalt in Neuseeland lässt sich, nach meiner persönlichen Ansicht, Folgendes über Web 2.0 im Land der Kiwis sagen:
Die üblichen Verdächtigen wie Facebook, YouTube oder Twitter sind auch hier bekannt und werden, zu meinem überraschen, von sämtlichen Generation der Kiwis mit Vorliebe genutzt. Anders als in Deutschland sind 800 Facebook Freunde keine Seltenheit hier, ganz zu Schweigen von dem allseits bekannten Datenschutz-Problem, welches hier von eher geringem Interesse zu sein scheint.

Doch wie stehen Unternehmen zu diesem Thema?

Nachdem ich nun mittlerweile 2 Monate für die Niederlassung des deutschen Autobauers mit dem Stern im Marketing für Commercial Vehicles arbeiten durfte, lassen sich natürlich erste Rückschlüsse ziehen.
Social Media Marketing ist ein Fremdwort. Facebook-Kampagnen, wie sie etwa in den USA mittlerweile Gang und Gäbe sind, gibt es nicht. Überhaupt nicht. Web 2.0 ist zwar bekannt, fast jedoch komplett uninteressant. Zumindest in der B2B Branche, in der das Unternehmen tätig ist. Die Marktgröße ist einfach zu unrentabel für solche Kommunikationsmaßnahmen. Klassische Kommunikation in Form von Print und Radio Anzeigen stellen einfach wesentlich weniger Aufwand und wesentlich mehr Erfolg in Aussicht. Man kann es sich nicht leisten, das Budget auf Facebook oder Twitter zu “verzocken”.

Anders B2C Unternehmen oder öffentliche Personen.

Schaut man sich die Top 10 der NZ Company Twitter Accounts an, kommt man nicht um ein “Respekt” herum. Auch nicht, wenn es um die Steigerung der Follower, die im letzten Jahr stattfand, geht. VodafoneNZ konnte zum Beispiel auf knapp 8.000 Follower aufstocken. Vodafone_DE hingegen hat 8.800, bei einer mehr als 20–fachen Marktgröße. Der Prime Minister von Neuseeland twittert selbstverständlicher weise auch. Regelmäßig informiert er seine 10.500 Follower über Staatsbesuche und versorgt sie mit Bildern auf seiner Homepage.
Auch deutsche Politiker twittern, angeblich zumindest, wie Angela Merkel aka Angie_Merkel. Allerdings bleibt die Glaubwürdigkeit dieser Twitter Profile auf der Strecke.  Tweets wie “TOP-NEWS: Nur #ZAZIKI kann Griechenland retten!” bestätigen dies.

Was sind die Kiwis uns also im Web 2.0 voraus?

Durch die geographische und mentale Nähe zu den US Amerikanern und Engländern geht man in Neuseeland wesentlich offener mit dem Thema Web 2.0 um als im gute alten Deutschland. Kundensupport über Twitter ist alltag, Tweets der Politiker über Staatsbesuche ebenso. Beachtlich auch das Interesse der Bevölkerung gegenüber solchen Web 2.0 Profilen. Mehr Follower bei einer Einwohneranzahl von 4,x mio. Auf Facebook ein ähnliches Bild, zwar verfügt man hier nicht über mehr “Like(r)” , allerdings hat man im Vergleich immernoch eine solide Fanbase.  Angela Merkel – knapp 40.000, John Key knapp 27.000.

Web 2.0 scheint in downunder bereits seinen Weg in das Alltagsleben der Bevölkerung gefunden zu haben, kaum jemand der älteren Generation verfügt nicht über einen Facebook und/oder Twitter account. YouTube ist zu einem generellen Medium geworden und genießt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl eine ungemeine Popularität. Dies führte sogar zur Sperrung sämtlicher Web 2.0 Seiten in Unternehmen, die Probleme damit hatten, dass Ihre Mitarbeiter den ganzen Tag auf Facebook oder YouTube surften.
Eine Erfahrung, die ich persönlich, zumindest in dieser Form, noch nicht in Deutschland gemacht habe. Radiosender verweisen regelmäßig auf Facebook- oder Twitter-Profile und Ereignisse – eine Mode, die in Deutschland erst langsam ins Rollen kommt.

Wie das kommt?

  • Die Kiwis unterscheiden sich generell sehr in Sachen Mentalität von den Deutschen.
  • Gesiezt wird im Unternehmen niemand, egal ob Chief Executive Officer oder Praktikant.
  • Es ist keine strenge Hierarchie zu spüren, wie man sie manchmal nur zu gut von traditionellen, deutschen Unternehmen kennt. Ein Standard-Prozedere bei jedem Geschäftstelefonat ist das “How are you today?” oder “Hope you are doing alright?” gefolgt von einem kleinen Smalltalk über die allgemeine Lage, bevor man dann wirklich zum eigentlichen Teil des Gespräches kommt. Die insgesamt lockere Atmosphäre, manchmal auch deutlich zu locker, spiegelt sich in sämtlichen Branchen und Firmen in Neuseeland wieder.
  • Generell sind die Kiwis aufgeschlossener allem Neenn gegenüber. Probieren geht hier sprichwörtlich über studieren. Während man hier direkt voll darauf los steuert, würde in Deutschland erst eine Studie nach der anderen von Nöten sein, um so einen Prozess überhaupt erst zu planen.

Die Kiwis hinken den Deutschen in vielen Sachen hinterher, sind ihnen allerdings in Sachen Mediennutzung, Akzeptanz und Offenheit meiner Meinung nach weit voraus.

Chefs mit langem Atem, die bereit sind, Zeit und Geld zu investieren, um Neues auszuprobieren. Mitarbeiter, die sich trauen und die sich engagieren und die sich auf etwas einlassen. Und nicht zu vergessen: Kunden, die am Ende des Tages von dem Ganzen sogar noch profitieren. Das braucht ein Unternehmen, um sich an die „Große Unbekannte“ zu wagen: Enterprise 2.0.

Was hinter diesem Begriff steckt, lässt sich in einem Satz erläutern: Interaktive Social Software aus dem Web 2.0, angepasst auf ein Unternehmen. Ein Bereich der Internet- und Softwarebranche, der viel versprechend ist und bislang kaum ausgereizt zu sein scheint. Eine der ersten Firmen, die sich getraut haben, ist Westaflex. Das Familienunternehmen zählt zu den Marktführern auf dem Gebiet von Produkten der Luft-, Klima- und Abgastechnik – und es ist klar im Vorteil: Jan Westerbarkey, Westaflex-CEO,  ist mit dem Web 2.0 und seinen typischen Anwendungen wohl vertraut – da war der Gedankensprung „was privat Spass macht und klappt, kann auch für das Unternehmen funktionieren“ nicht allzu fern. Mit viel persönlichen Engagement, Ausdauer und Verständnis entwickelte Westerbarkey in Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern Web 2.0-Werkzeuge, die genau auf die Bedürfnisse des Personals und auf die dem Betrieb eigene Struktur zu geschnitten sind. Ein Höchstmaß an Offenheit und Transparenz bieten den optimalen Nährboden für ein funktionierendes soziales Netzwerk innerhalb des Unternehmens. Ein Firmen-Wiki (WestaPedia) sichert das Teamwissen auch über die Zeit der Firmenzugehörigkeit hinaus, das hauseigene Twitter (WestaTwit) löst den E-Mail-Verkehr ab und der offen zugängliche Newsroom bietet Raum für Fotos, Videos und Blogbeiträge.

Westaflex hat durch die E 2.0-Lösungen eine neue Unternehmenskultur geschaffen – die entwickelten und angewandten Tools sind kein verzweifelter Versuch auf der Web 2.0-Welle mitzuschwimmen, sondern ein gelungenes Projekt aller Mitarbeiter, das die Eigeninitiative und die Identifikation mit dem Unternehmen fördert.

Im Buch wird der Praxis-Case Westaflex sehr  ausführlich dargestellt.