Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital. Das wird besonders in Zeiten des Fachkräftemangels deutlich, in der sich Unternehmen mit der Gefahr unbesetzt bleibender Arbeitsplätze konfrontiert sehen. Auf der Suche nach den Besten der Branche spielt die Arbeitgeberattraktivität eine entscheidende Rolle.

 

Doch was sich in zahlreichen Werbeanzeigen,  Imagebroschüren oder Stellenanzeigen von Unternehmen so vielversprechend und reizvoll anhört, hat oftmals nichts mit dem Arbeitsalltag und der tatsächlich gelebten Unternehmenskultur gemeinsam. Um diesem Widerspruch zwischen Erwartung und Realität entgegenzuwirken gilt es überzeugende und glaubwürdige Inhalte zu kommunizieren, mit denen sich sowohl potentielle Bewerber als auch derzeit aktive Mitarbeiter identifizieren können.

 

Arbeitgeberattraktivität beginnt bei den Mitarbeitern als Unternehmenskern  und hat in erster Linie mit Menschenführung zu tun. Wer seinen Angestellten Wertschätzung, Respekt und Anerkennung entgegenbringt, wird mit Leistung und Produktivität belohnt. Doch heutzutage spielt auch die Frage nach der Werteerfüllung und Sinnerreichung eine zentrale Rolle bei den Arbeitnehmern. Vor diesem Hintergrund  ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema sinnorientierte Führung unerlässlich. Beschrieben wird eine Haltung, in der sich Mitarbeiter und Vorgesetzte innerhalb eines Unternehmens begegnen und die maßgeblich zu einer dauerhaften Zufriedenheit der Mitarbeiter sowie zu einer erfolgreichen Akquise neuer Arbeitnehmer beiträgt.

 

Für viele Unternehmen besteht der Sinn ihrer Unternehmung primär in der Erwirtschaftung von Gewinnen. Doch entgegen dieser Annahmen wird damit lediglich der Zweck beschrieben. Der Sinn ist das, was das Unternehmen trägt und beschreibt die Faktoren, die einen Mitarbeiter morgens gerne zur Arbeit kommen lassen. Sowohl die Freude darüber, das im Studium erlernte Wissen in der Praxis anwenden zu können, als auch ein kollegiales Miteinander können dafür ausschlaggebend sein.

 

Die Basis der sinnorientierten Führung bilden Grundzüge aus der Logotherapie nach Viktor E. Frankl sowie das Sinnsystem der Arbeitswelt nach Walter Böckmann. Frankl entwickelte zu Lebzeiten eine sinnorientierte Richtung der Psychotherapie, die den „Willen zum Sinn“ als Basis menschlichen Handelns definiert. Die Logotherapie rückt somit die Frage nach dem „wofür?“ in den Fokus und charakterisiert den Menschen als Wesen auf der ständigen Suche nach Sinn. Auf das Berufsleben bezogen lautet die Kernaussage Frankls:  „Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten.“

 

Der Bielefelder Soziologe Walter Böckmann hat sich intensiv mit der Lehre Frankls auseinandergesetzt und das Sinnsystem auf die Arbeitswelt übertragen. Es ist wichtig den Mitarbeiter eines Unternehmens nicht bloß auf seine Arbeit zu reduzieren, sondern ihn als vollständigen Menschen mit eigenen Wertevorstellungen zu betrachten. So ist ein Mitarbeiter nur dann dazu bereit Verantwortung für seine Arbeit zu übernehmen, wenn die ihm übertragenen Aufgaben mit seinen individuellen Wertevorstellungen übereinstimmen und ihm der nötige Freiraum zur Umsetzung gewährt wird.

 

Neben der Arbeitgeberattraktivität beschäftigt sich Karl Fordemann in seinem Buchkapitel auch mit dem Themenbereich des Employer Brandings. Dabei geht es wörtlich übersetzt um den Aufbau einer Arbeitgebermarke. Ein Produkt oder einer Dienstleistung kann problemlos durch Menschenhand zu einer Marke geformt werden.  Doch können Arbeitsplätze dieser Menschen selbst zur Marke werden? Während bei einer physischen Marke die Produkteigenschaften im Fokus stehen, werden bei einer Arbeitgebermarke die Menschen zum Markeninhalt. Doch es bleibt die Frage: wer ist bereit sich, seine Persönlichkeit und Leistungsbereitschaft freiwillig und dauerhaft vermarkten zu lassen?

 

Vor diesem Hintergrund scheint der Begriff „Arbeitgeberwerte“ eine geeignetere Wahl zu sein. Denn eines liegt klar auf der Hand: gelingt es einem Unternehmen, dass sich seine Mitarbeiter mit den Unternehmenswerten identifizieren, werden sie den Sinn des Unternehmens mit Leben füllen. Wenn sie darüber hinaus gleichermaßen gefordert und gefördert werden und ihnen Wertschätzung, Vertrauen und Anerkennung entgegengebracht wird, steht einem langfristigen und produktiven Arbeitsverhältnis nichts im Wege.

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