Das Mobiltelefon hat unser Leben verändert – vor 20 Jahren begann es seinen Siegeszug vom Telefon zu unserem alltäglichen Lebensbegleiter. Es hat die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit aufgeweicht und uns eine enorme Erreichbarkeit geschenkt, eine neue Kontrolle über Aufenthaltsorte unserer Familienmitglieder und die unterschiedlichsten Arten von Kommunikationsmöglichkeiten. Das Mobiltelefon hat sich in unserem Alltag unverzichtbar gemacht, indem es uns hilft, Kinobesuche und Weihnachtsgeschenke zu planen und Nachrichten jederzeit abzurufen. Unsere Wertvorstellungen wurden mit dem Smartphone flexibler und jede Wartezeit bis auf die kleinste Einheit minimiert, indem sie mit einer sinnvollen Alternative unserer Erledigungslisten gefüllt wird oder unpassende Termine kurzfristig abgesagt werden. Kaufentscheidungen fallen schneller – es lässt sich jederzeit von überall das Passende bestellen. Das Telefonieren wurde schon lange zur Nebensache, denn Handys sind längst unser ganzes Leben digitalisiert in unserer Hosentasche. Unser Handy ist überall: Bei jeder Verabredung, bei jedem Shoppingtrip. Und es hat nicht nur unser Leben verkompliziert und vereinfacht zugleich, sondern liefert auch eine gigantische Flut an neuen Möglichkeiten der Marketingstrategien. Denn egal was wir auf unserem Smartphone machen, wir hinterlassen eine Menge Daten, die unsere Gewohnheiten und Präferenzen beschreiben und das, was wir nicht mögen. Jeder gibt in seinem digitalen Leben seine Laster, Gewohnheiten, Wünsche und auf lange Sicht auch seine Achillesferse preis. Diese Daten können nicht nur helfen Angebote auf jeden Menschen individuell zuzuschneiden, Streuverluste zu minimieren und Funktionen zu optimieren, sondern auch Kundenwünsche und Defizite zu ermitteln und so unseren Alltag noch ein Stückchen mehr zu vereinfachen und zu kontrollieren.

Bei der ganzheitlichen Betrachtung des Themas Mobile Commerce sollten über den eigentlichen Kaufabschluss via Smartphone hinaus noch zwei weitere Funktionen in Betracht gezogen werden: Die Informationssuche und die Bezahlung. Die Informationssuche ist für den Konsumenten ein wichtiger Schritt im Kaufprozess. So ist die Informationssuche mit Smartphones und Tablets der Wegbereiter für einen Kaufabschluss und eine der am häufigsten genutzten Funktionen. Die Bezahlung mit mobilen Endgeräten ist ebenfalls eng mit dem Kaufprozess verknüpft, denn durch diese Funktion wird Mobile Commerce erst möglich. In der heutigen Zeit wird Mobile Commerce mit Hilfe von (nativer) Apps betrieben, die individuell aus verschiedenen App Stores herunter geladen werden können. Es entsteht so eine direkte Handelsbeziehung zwischen dem Anbieter und dem Verbraucher. Hierbei gilt: Je mehr Wissen ich über die Nutzung meiner App habe, desto präziser kann ich einzelne Marketing-Strategien planen und meine App auf das Nutzerverhalten meiner Kunden optimieren.

Doch wie kann ich die Wege meiner Kunden bis hin zum Kaufabschluss oder zum Ausstieg aus der App verfolgen? Und wie erhalte ich Einblick in das Nutzerverhalten wenn die App offline benutzt wird?

Hier kommen Mobile Tracking Systeme zum Einsatz: Es stehen eine Vielzahl an verschiedener Mobile Tracking Tools zur Verfügung, welche unterschiedliche Funktionen bieten und Einsichten in die App geben, ais denen strategische Schlüsse gezogen werden können. Folgende Parameter sollten jedoch aus den verschiedenen Tracking-Systemen hervorgehen:

• Analyse der User und des Userverhaltens

• App Ranking im Store

• App Verwendung und Usage Patterns (die Nutzungsstruktur der App)

• App Umsätze (Revenue Model) oder In-App-Käufe (In-App purchases)

• App User

• App Download-Quellen /App Vermarktungs Plattformen

• Impressions

• Clicks

• Installationen

• In-App-Events

• App Marketing Kampagnen Tracking und Traffic-Optimierung

Die folgende Auswahl an Software zeigt Mobile Tracking Systeme auf, die meiner Meinung nach einen relevanten Kundenstamm besitzen und online zu finden sind. Des Weiteren gibt es darüberhinaus noch eine Vielzahl von Systemen und Tools, die sich auf verschiedene App-Genres spezialisiert haben (z.B. auf Mobile Game Apps oder auf Mobile Affiliate Programme).


Nach einer praktischen Ausarbeitung und Umsetzung einer Tracking SDK in einer nativen App (hierbei wurde das kostenlose Analyse Tool „Flurry“ getestet), konnte festgestellte werden, dass das App Tracking für den Erfolg von Apps eine hohe Funktionalität bietet. Durch verschiedene, einsehbare Parameter können die Daten der Nutzer ausgewertet und zur Optimierung der Anwendung genutzt werden. Marketing-Kampagnen können durch den Einsatz von Tracking-Systemen gezielt gesteuert und beobachtet werden. Durch den Einsatz von Events werden für den Anbieter relevante Ereignisse sichtbar und können so optimiert und ausgebaut werden. Außerdem lassen sich durch sogenannte „Funnel“ Conversion-Trichter erstellen, die den relevanten Kundenstamm ausfiltern und verschiedene Wege zur Conversion detailliert auswerten.

Die deutschen Datenschutzbestimmungen wurden auf die Möglichkeiten des Einsatzes von Tracking Tools und die Nutzung der daraus resultierenden Daten hin überprüft, sowie die iOs Datenschutzrichtlinien der Firma Apple hinsichtlich des erlaubten Einsatzes von Tracking SDKs innerhalb der in den App Store hochzuladenden App. Diese Überprüfung ergab, dass Tracking-Tools (und deren SDKs) und die daraus hervorgehenden Daten nicht rechtswidrig sind und von der Firma Apple unter den aufgezeigten Bedingungen daher für die Nutzung innerhalb der Apps akzeptiert werden.

Die Arbeit mit dem Analyse Tool „Flurry“ führte zu der Erkenntnis, dass dieses Tool einen hohen Nutzen für Marketing- Kampagnen und App-Anbieter bietet, indem es tiefe Einblicke in das Nutzerverhalten der App User, wie die Angabe von Errors oder Sessions, gibt. Alle Daten sind übersichtlich im System einsehbar und eine Arbeit im Team ist durch die Einladung verschiedener Mitarbeiter zu dem jeweiligen Projekt ebenfalls möglich. In einer anschließenden Evaluation wurde die Nutzbarkeit und Funktionalität hinsichtlich Live Aktivität, Events und Funnel belegt.

Das Best Practice-Beispiel „FHM QUIZ“, auf dessen Evaluation sich meine Erkenntnisse stützt, ist im App Store frei zugänglich und lässt sich so optimal in der Hochschullehre einsetzen. Die App kann kostenlos heruntergeladen und von Studenten bedient werden, wonach in der anschließenden Auswertung der Daten ein Einblick in mobiles Tracking gegeben wird. Das erstellte Beispiel lässt sich beliebig erweitern, indem verschiedene Events zusätzlich eingebaut werden und unzählige „Funnel“ im Tracking Tool eingerichtet werden können. Des Weiteren können verschiedene Möglichkeiten der Nutzung der App im Hochschulunterricht aufgezeigt werden: Der Download der App aus dem App Store, die Nutzung der App in dem Programm Xcode und das Deployment der App für einzelne Geräte.

Trotz der gewonnenen Erkenntnisse über die Nutzung von Mobile Tracking Systemen bleibt noch die Frage nach der gewünschten 1:1 real-time Übertragung der erhobenen Daten in das Tool. Es ist noch nicht klar, wie weit eine zeitliche Einschränkung den Gebrauch des Analyse-Tools innerhalb des Einsatzes in der Praxis begrenzt. Denn in dem vorangegangenen Versuch ergab sich eine Zeitverzögerung von mindestens 5 Stunden bis die einzelnen Sessions im System dargestellt wurden (bis hin zu einem Tag). Dies kann sich nachteilig auf die Nutzung des Tools auswirken.

Insgesamt kann jedoch behauptet werden, dass der Einsatz von Mobile Tracking Systemen innerhalb nativer Apps ein empfehlenswertes Monitoring Tool für Anbieter von Apps und zur Kontrolle und Überprüfung von Marketing Kampagnen ist.
Um einen technischen Ausblick auf die Zukunft dieses Bereiches zu geben, kann gesagt werden, dass damit gerechnet werden kann, dass jede App im allgemeinen Gebrauch eine Tracking SDK eines Analyse Systems beinhaltet und so jede Benutzung auf dem eigenen Endgerät durch ein Monitoring Tool ausgewertet wird.

 

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