Egal welche Studie zum Thema Mobile Commerce zurzeit betrachtet wird, in einem sind sich die Autoren fast immer einig. Die Zukunft für das Thema Mobile Commerce sieht rosig aus. Das Unternehmen „Zalando“  setzt bereits 10% des Gesamtumsatzes über den mobilen Verkaufskanal um und bei der ebay-Tochter „brands4friends“ sind es gar 30%. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Unternehmen an diesen Entwicklungen teilhaben wollen. Apps stellen dabei mit ihren umfangreichen Möglichkeiten eine beliebte, aber oftmals auch teure Möglichkeit dar, mit der Unternehmen am Bereich Mobile Commerce partizipieren können. Firmenlenker und Verantwortliche sehen in einer eigenen App-Entwicklung oftmals den Königsweg für ihr Unternehmen, um im Mobile Commerce aktiv zu sein. Doch ist das immer eine kluge Entscheidung? Mitnichten. Schließlich existieren mit mobil optimierten Internetauftritten, mobiler Werbung und der Nutzung externer App-Angebote weitere interessante Möglichkeiten, um im Mobile Commerce erfolgreich unterwegs zu sein. Wie in allen anderen Bereichen eines erfolgreichen Geschäftes auch, spielt die Vorbereitungsphase der mobilen Maßnahmen eine enorm wichtige Rolle. So sollte ein an Mobile Commerce interessiertes Unternehmen einen Blick auf aktuelle Studien werfen, aus vorhandenem Datenmaterial eines möglicherweise bereits bestehenden Online-Shops die richtigen Schlüsse ziehen und durch umfangreiche Kundenbefragungen die Meinungen der Kunden zum Thema einholen, um teure Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Ein Unternehmen, welches anscheinend schon Erfahrungen mit einem teuren Ausflug in die App-Welt sammeln konnte, ist das Unternehmen Seidensticker. Nur noch wenige Spuren im World Wide Web führen zu der vom Unternehmen „Shopgate“ entwickelten und nur für kurze Zeit erhältlichen Seidensticker-App.  Warum aber wurde die App nach nur wenigen Monaten wieder eingestellt? Am Funktionsumfang kann es eigentlich nicht gelegen haben, schließlich verfügte diese neben dem obligatorischen Online-Shop, über weitere nützliche Funktionen wie z.B. Barcode-Scanner und Shop-Finder, welche dem User einen besonderen Mehrwert boten. Vielmehr dürfte die geringe Verbreitung der App und das Nischendasein für den Misserfolg verantwortlich sein. Laut der Seite „AndroidPIT“ wurde die App höchstens 500 Mal heruntergeladen, was die zuvor investierten Mittel wohl kaum rechtfertigen dürfte.  Bei ca. 900.000 verfügbaren Anwendungen in Apples Appstore, kommen gerade einmal 1/3 der Apps auf eine nennenswerte Nutzung. Die Seidensticker-App ist in der Masse an Shopping-Apps untergegangen. Für eine vordere Platzierung in den App-Charts sind große Investitionen in ein begleitendes Marketing notwendig, wodurch sich eigene Apps meist nur für große Unternehmen wie „Zalando“ und Co. lohnend auszahlen.

Bei Seidensticker wird aktuell auf einen responsiv gestalteten Online-Shop gesetzt, welcher ein und denselben Inhalt, je nach zur Verfügung stehenden Displaygrößen der genutzten Endgeräte, unterschiedlich darstellt. Es fand also eine gewisse Rückbesinnung von eigener App zur mobil angepassten Website statt. Eine Grundsatzentscheidung, die, wenn sie getroffen wurde, auch konsequent durchgeführt werden sollte. Bei Seidensticker existiert neben dem mobil optimierten Online-Shop, eine nicht optimierte Unternehmens-Website, welche zwar durch einen Link im Shop erreichbar ist, aber mobil durch die schlechte Darstellung der Inhalte kaum nutzbar ist. Das ist schade, bietet die U-Website doch mit nützlichen Tipps zu Produkten und interessanten Infos zur Marke echte Mehrwerte für die User, welche den mobilen Nutzern nicht vorenthalten werden sollten.

Das Beispiel Seidensticker ist nur eines von vielen, welches die Wichtigkeit einer ausführlichen Vorbereitungsphase und konsequenten Umsetzung von Mobile Commerce Konzepten aufzeigt. Unternehmenslenker, die zukünftig aktiv in den Bereich einsteigen wollen, sei das Buch „Der neue Mobile-Commerce: Erfolgsfaktoren und Best Practices“ von Gerrit Heinemann empfohlen. Es bietet einen guten Einstieg zum Thema und kann Unternehmen einen grundsätzlichen Leitfaden an die Hand geben, durch den mögliche, teure Fehlentscheidungen und unnötige Ausflüge in die App-Welt bereits im Vorfeld vermieden werden können.

 

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