2,9 Milliarden Stunden verbringen die Nutzer monatlich auf Youtube,
dem Onlineportal für Musik- und Comedyvideos. Im Durchschnitt kommen
alle 4 Sekunden 3 neue Videos hinzu. Weltweit liegt die Anzahl der
Nutzer bei 490 Milliarden, wie die von Google erhobenen Statistiken
aus dem Jahr 2011 belegen. In einer solch großen Community ist es
nicht einfach, Aufmerksamkeit zu erregen. Dafür bedarf es besonderer
Talente, einer Menge an Kreativität und guten Ideen oder
herausragender Persönlichkeit.

Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und mithilfe von Social Networks, wie
beispielsweise Twitter oder Facebook, verbreitet sich ein Video
mithilfe so genanntem Crossposting innerhalb einer geringen Zeitspanne
im Netz. Die Anzahl der Clicks für das Video steigt, und damit rückt
das Video auf Beliebtheits- und Clickratelisten höher, somit wird es
wahrscheinlicher, dass noch mehr Menschen es ansehen. Dieses Phänomen
der schnellen Videoverbreitung zieht natürlich auch die Aufmerksamkeit
von Plattenlabels und bereits etablierten Künstlern auf sich, sodass
Potenzial und Talent gefördert und vermarktet werden können. Auf diese
Weise wurde beispielsweise Justin Bieber berühmt, der seine Musikclips
auf Youtube hochgeladen hat und von Usher entdeckt worden ist.

Schwarmintelligenz zunehmend als Phänomen in Social Media zu beobachten

Ameisen tun es, Zugvögel tun es und Social Media User tun es auch: Sie nutzen die Intelligenz der Gruppe. Denn gemeinsam ist man immer klüger. Das Phänomen der Schwarmintelligenz hat seinen Ursprung in der Natur. Der komplexe Staat der Ameisen ist hierfür ein Paradebeispiel: Eine einzelne Ameise ist allein gesehen nicht besonders klug, doch wird durch die Aufgabenverteilung im Schwarm erst nützlich. Besonders bei der Nahrungssuche wird die Schwarmintelligenz deutlich: Wenn eine Ameise eine gute Futterquelle gefunden hat, schließen sich weitere Ameisen diesem Weg an, wodurch der Weg markiert wird. Das führt zu einer auch für den Menschen sichtbaren Ameisenstraße. Genauso verhalten sich auch die Bienen bei ihrer Blütenstaubsuche. Wie schon Markus Aurelius gesagt hat „Was nicht gut für den Schwarm ist, ist nicht gut für die Biene“.

Ähnliches gilt auch für den User. Social Media Foren wie Twitter, Facebook oder MySpace sind Meinungsmultiplikatoren: Videos, Fotos sowie Inhalte werden geliked, geteilt und so über das komplette Internet verstreut. Auf der Internetplattform digg.com können angemeldete User Inhalte, die sie für interessant halten, teilen. Umso mehr „diggs“ (Klicks) ein Link bekommt, desto höher steigt er in der Popularitätsskala. Die Meinung eines einzelnen wird zur Meinung des Kollektivs. Doch hat das wirklich was mit Schwarmintelligenz zu tun?

Ein Experiment von Francis Galton zeigte schon 1906, dass die Massenintelligenz über die Intelligenz des Einzelnen siegt. Bei einem Ochsen-Schätz-Wettbewerb wurden 787 Personen nach dem Schlachtgewicht eines Ochsen gefragt. Galton wertete die Ergebnisse statistisch aus und musste erstaunt feststellen, dass der Mittelwert aller Schätzungen dem wahren Gewicht nur um 0,8 Prozent abwich. Er nannte seine Erkenntnis „vox populi“: Stimme des Volkes.

Noch heute bestimmt die Stimme des Volkes: der User entscheidet, was gelesen wird, welche Portale im Internet vorne liegen und welche Youtube-Videos an Popularität gewinnen. Doch Intelligenz wird dadurch nicht vermittelt, sondern viel mehr der Geschmack von Einigen zum Geschmack des Schwarms. Wir teilen nicht die Intelligenz, aber wir teilen den Geschmack!