Um diese Frage beantworten zu können muss vorab der Begriff Journalismus definiert werden.

Definition Journalismus:

„Der Journalismus ist ein System der Gesellschaft, welches anderen Systemen ermöglicht, ihre Funktionen (besser) zu erfüllen. Dazu stellt der Journalismus Themen für die öffentliche Kommunikation zur Verfügung, die Neuigkeitswert und Faktizität besitzen. Journalistische Produkte sind der Objektivität und Offenlegung dahinterstehender Interessen verpflichtet.“

Auf Basis dieser Definition lässt sich die Frage nicht mit ja oder nein beantworten. Wikileaks sammelt Informationen und stellt diese der Öffentlichkeit zur Verfügung. Diese Informationen haben einen hohen Neuigkeitswert, ohne Wikileaks stünden viele Informationen nicht zur Verfügung. In punkto Faktizität ist Wikileaks nicht eindeutig zu bewerten. Zwar handelt es sich um unbearbeitete Dokumente verschiedener meist staatlicher Quellen (US Geheimdienste etc.), dennoch beinhalten diese Dokumente Einschätzungen von Personen zu bestimmten Fragestellungen, Sachverhalten und Personen. Per zugrunde liegender Definition wäre Wikileaks der Objektivität und der Offenlegung von Interessen verpflichtet. Nach welchen Kriterien Wikileaks Dokumente veröffentlicht ist unklar, viele Dokumente sind noch immer nicht öffentlich zugänglich. Da Wikileaks zunehmend Informationen zu Institutionen und Unternehmen offenlegt, die versuchen Wikileaks aus der öffentlichen Diskussion zu verbannen, wendet sich Wikileaks von diesem journalistischen Grundprinzip ab. Julian Assange beschreibt in einem Interview im Rahmen des 26. Kongresses des Chaos Computer Clubs Wikileaks als Plattform, die Medienunternehmen durch Bereitstellung von Informationen und  Kostenersparnis mehr investigativen Journalismus ermöglicht.

Wikileaks kann demnach als Informationsplattform oder Dokumentensammlung verstanden werden; die zugrunde liegenden Motive und das tatsächliche Maß an Objektivität lassen sich jedoch nur vermuten.

Autor: Benjamin Schäfer (Masterstudent New Media Management, FHM)

Ein Kommentar bei “Ist Wikileaks ein journalistisches Portal?”

  1. Adm.Polli sagt:

    Also ich sehe in Wikileaks kein journalistisches Portal, da es für mich einer journalistischen Aufbereitung von Information bedarf. Wikileaks hingegen stellt die Informationen ungefiltert (und ungeprüft?) online. Die Quellen werden, wie es bei Journalisten vorkommt, nicht öffentlich bekanntgegeben. Dies hat aber vor allem den Grund, dass sich die Quellen in Gefahr begeben, da es sich ja um nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Informationen handelt.
    Somit stellt sich aber evtl. für die Öffentlichkeit die Frage, inwifern die Informationen brauchbar, da oftmals nicht validierbar sind. Institutionen wie der Spiegel, die NYT etc, die die Informationen exklusiv bekommen, kommt deshalb im Falle von Wikileaks eine wichtige journalistische Aufgabe, die der Aufbereitung/Validierung, zu. Ob sie wikrklich zu leisten ist, steht auf einem anderen Blatt, wie auch das ebenso die Gefahr besteht, dass gezielt Wikileaks Falschinfomrationen zugespielt werden können. Ob und wie sich Wikileaks davor schützen kann ist auch eine nicht unwichtige Frage.
    Just my 2 cents…

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