Als Non-Profit-Organisation (NPO) verfolgt WikiLeaks primär die Verbreitung von Informationen, die der Öffentlichkeit bislang vorenthalten blieben. Der dahinter stehende finanzielle Aufwand sei nach WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange nicht primär, allerdings auch nicht zu vernachlässigen.

Die Frage, die sich einer NPO naturgemäß gegenüber stellt, ist die Finanzierung bürokratischer Aufwendungen, die zum strukturellen Erhalt der Organisation notwendig sind. In einem Interview im Januar diesen Jahres erzählte Assange erstmalig über einzelne Kostenblöcke, die gedeckt werden müssen. Demnach plant WikiLeaks mit einem notwendigen Jahresbudget von etwa 600.000 US-$, von denen ein Drittel alleine auf Personalkosten fällt. Die restlichen Kosten fallen auf Serverkosten, welche kontinuierlich steigend sind, da WikiLeaks immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit drängt, Bankgebühren, Registrierungsgebühren und sonstigen Bürokratiekosten. Der Personalkostenblock ist deshalb so hoch, da die große Menge an bereitgestellten Material gesichtet, zusammengefasst und auf Plausabilität geprüft werden muss. Neben dem Kernteam engagieren sich etwa 800 weitere Mitarbeiter sporadisch in Teilzeit. Kosten für Schadensersatz und richterlich beschlossenen Abmahnungen sind bislang nicht angefallen, da alle Prozesse gewonnen wurden.

Aktuell deckt WikiLeaks die Kosten, wie für eine NPO üblich, aus Spenden mit der Einschränkung, dass finanzielle Unterstützungen nur von Privatpersonen angenommen werden. Finanzielle Spenden von Regierungen und Unternehmen werden nicht akzeptiert, um die politische Unabhängigkeit zu gewährleisten. Potentielle Spender können WikiLeaks aktuell per Banküberweisung, Kreditkarte oder auf postalischem Weg unterstützten. Die aktuelle Diskussion mit PayPal ergab, dass der Finanztransaktionsdienstleister den Account von WikiLeaks geschlossen hat, sodass diese Spendenmöglichkeit nicht mehr existiert. Darüber hinaus erhält WikiLeaks Spenden in Form von Anwaltsleistungen von anderen Organisationen und Unternehmen, die meist der Medienbranche entstammen. Deren Motivation ist WikiLeags als vermeintlich schwächstes Glied im Nachrichtensystem zu erhalten, da sie befürchten, dass im Falle einer richterlich angeordneten Schließung der Seite die gleiche Argumentation auch auf andere Nachrichtendienste angewendet werden könnte. Ein weiterer möglicher Grund geht dahin, dass größere Medien Konzerne sich diese Art des Journalismus nicht leisten können und daher einen „versteckten“ Outsourcing-Gedanke forcieren. Unter den Supportern befinden sich große Unternehmen wie die Los Angeles Times, Associated Press und die National Newspaper Association. Aber auch die deutsche Wau Holland Stiftung fördert das Projekt mit umfangreichen Beträgen und ruft zu Spenden an die Stiftung auf.

Die fünf Vollzeit-Mitarbeiter von WikiLeaks finanzieren ihr jetziges Leben überwiegend aus Zeiten vor Wikileaks. So war Assaange beispielsweise erfolgreicher Internetunternehmer.

Autor: Timo Schürmann, Bastian Pott (Masterstudenten New Media Management, FHM)

Ein Kommentar bei “Die Ökonomie hinter WikiLeaks”

  1. ebook news sagt:

    Es geht weiter, wieder verliert wikileaks eine Bankverbindung. Visa, Mastercard, Paypal und jetzt die Bank of America: Die Großbank reiht sich bei den Unternehmen ein, die Zahlungen an WikiLeaks sperren. Vielleicht liegt es daran, dass wikileaks als nächstes Ziel eine amerikanische Grossbank anvisierte. Auf der anderen Seite wird man an diesem Beispiel sehen, ob es auch auf Seiten der Banken monopolistische Strukturen gibt. Das wäre wirklich nicht gut.

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