Die Diskussion um die Wikileaks Seiten schwappt durch die Medien. Die amerikanische Regierung wie auch verbündete Staaten würden die Wikileaks Seiten gerne abschalten, um weiteren peinlichen Enthüllungen vorzubeugen und – wie es die Amerikaner formulieren – die öffentliche Sicherheit nicht zu gefährden.

Doch ist eine Abschaltung von Websiten überhaupt möglich?

Die Wikileaks Server stehen überall auf der Welt verstreut. Rein technisch gesehen, könnte jeder Rechner, der die entsprechenden Leistungsvoraussetzungen mitbringt, als Server fungieren und entweder von einem Domainbetreiber gehostet werden oder bei Privatpersonen im Keller stehen.

Fällt ein Server aus oder wird er vom Hoster abgeschaltet, wird die Domain oder die angefragte IP Adresse mittels der Änderung von DNS Einträgen auf andere Server umgeleitet, die ebenfalls über die angefragten Inhalte verfügen. Dieses Spiel kann man so lange betreiben, so lange noch Ausweichserver zur Verfügung stehen.

Abschalten im eigentlichen Sinne kann man eine solche Plattform nicht. Was einmal im Netz ist, bleibt auch da. Möglichkeiten, die Server sprichwörtlich in die Knie zu zwingen bzw. die Anzahl der zur Verfügung stehenden Server zu minimieren, gibt es reichlich. Zum Beispiel durch eine Initiative der Regierung, allen inländischen Hosts das Hosting der Server zu verbieten, so wie es Frankreich derzeit anstrebt, oder eben durch sogenannte verteilte Angriffe. Hier senden Hacker über ein Netzwerk automatisierte Anfragen an den Server. Die Anzahl der Anfragen verursacht unter Umständen ein Datenvolumen von mehreren Gigabit pro Sekunde. Diese Anfragen kann der Server auf Dauer nicht mehr beantworten und ist auch somit für andere Interessenten nicht mehr erreichbar. Auf diese Weise haben Wikileaks-Hacker die Amazon-Server aus Rache für das abgestellte Hosting der Wikileaks-Seiten für einige Zeit nicht erreichbar gemacht. Die Abwehr solcher Angriffe ist möglich, jedoch sehr kostspielig.

Solange jedoch Wikileaks die nötigen Gelder für den Schutz der Server bekommt und genügend Sympathisanten auf der Welt das Hosting der Server ermöglicht, können die Wikileaks Seiten nicht vom Netz genommen werden. Das Abschalten dieser Seiten geht nur dann, wenn jemand das Internet abschalten kann.

Autor: Christina Meyer (Masterstudent New Media Management, FHM)

Die „Operation Payback“ ist Teil der „Operation Avange Assange“. Letztere ruft zum digitalen Widerstand gegen das Vorgehen gegen WikiLeaks auf. Unterzeichner des Aufrufs ist die Gruppe „Anonymous“. WikiLeaks bestreitet allerdings jegliche Verbindung zu dieser Gruppe. Mit der Operation Payback will man sich an Konzernen rächen, die WikiLeaks im Handeln behindern bzw.
Unterstützung versagen, z.B. Amazon, Every DNS, Visa und
Mastercard. Ziel ist es, die Websiten der betreffenden
Firmen durch sogenannte DoS-Attacken lahmzulegen.
Das funktionert folgendermaßen: Anonymous stellt die
Software Low Orbit Ion Cannon (LOIC) zum Download für
WikiLeaks-Sympathisanten bereit. Ist das Schadprogramm erst
einmal auf dem Rechner installiert, kann es von Anonymous
von wechselnden Accounts aus ferngesteuert werden. Dadurch
entsteht ein riesiges Computernetz. Von den
zusammengeschlossenen Computern können nun simultan Anfragen
an eine Website der WikiLeaks-Gegner gestellt werden. Die
Firewall-Rechner der angegriffenen Seite kann nicht
unterscheiden, welches Datenpaket von einem Kunden kommt und
welche von einem Demonstrant. Die Folge: Irgendwann ist der
Server überlastet und verweigert den Dienst DoS, Denial of
Service. Die angegriffene Website kann nicht mehr aufgerufen
werden.

Autor: Jens Schüler, Peter Breit, Maximilian Nölle (Masterstudenten New Media Management, FHM)

Um diese Frage beantworten zu können muss vorab der Begriff Journalismus definiert werden.

Definition Journalismus:

„Der Journalismus ist ein System der Gesellschaft, welches anderen Systemen ermöglicht, ihre Funktionen (besser) zu erfüllen. Dazu stellt der Journalismus Themen für die öffentliche Kommunikation zur Verfügung, die Neuigkeitswert und Faktizität besitzen. Journalistische Produkte sind der Objektivität und Offenlegung dahinterstehender Interessen verpflichtet.“

Auf Basis dieser Definition lässt sich die Frage nicht mit ja oder nein beantworten. Wikileaks sammelt Informationen und stellt diese der Öffentlichkeit zur Verfügung. Diese Informationen haben einen hohen Neuigkeitswert, ohne Wikileaks stünden viele Informationen nicht zur Verfügung. In punkto Faktizität ist Wikileaks nicht eindeutig zu bewerten. Zwar handelt es sich um unbearbeitete Dokumente verschiedener meist staatlicher Quellen (US Geheimdienste etc.), dennoch beinhalten diese Dokumente Einschätzungen von Personen zu bestimmten Fragestellungen, Sachverhalten und Personen. Per zugrunde liegender Definition wäre Wikileaks der Objektivität und der Offenlegung von Interessen verpflichtet. Nach welchen Kriterien Wikileaks Dokumente veröffentlicht ist unklar, viele Dokumente sind noch immer nicht öffentlich zugänglich. Da Wikileaks zunehmend Informationen zu Institutionen und Unternehmen offenlegt, die versuchen Wikileaks aus der öffentlichen Diskussion zu verbannen, wendet sich Wikileaks von diesem journalistischen Grundprinzip ab. Julian Assange beschreibt in einem Interview im Rahmen des 26. Kongresses des Chaos Computer Clubs Wikileaks als Plattform, die Medienunternehmen durch Bereitstellung von Informationen und  Kostenersparnis mehr investigativen Journalismus ermöglicht.

Wikileaks kann demnach als Informationsplattform oder Dokumentensammlung verstanden werden; die zugrunde liegenden Motive und das tatsächliche Maß an Objektivität lassen sich jedoch nur vermuten.

Autor: Benjamin Schäfer (Masterstudent New Media Management, FHM)

Als Non-Profit-Organisation (NPO) verfolgt WikiLeaks primär die Verbreitung von Informationen, die der Öffentlichkeit bislang vorenthalten blieben. Der dahinter stehende finanzielle Aufwand sei nach WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange nicht primär, allerdings auch nicht zu vernachlässigen.

Die Frage, die sich einer NPO naturgemäß gegenüber stellt, ist die Finanzierung bürokratischer Aufwendungen, die zum strukturellen Erhalt der Organisation notwendig sind. In einem Interview im Januar diesen Jahres erzählte Assange erstmalig über einzelne Kostenblöcke, die gedeckt werden müssen. Demnach plant WikiLeaks mit einem notwendigen Jahresbudget von etwa 600.000 US-$, von denen ein Drittel alleine auf Personalkosten fällt. Die restlichen Kosten fallen auf Serverkosten, welche kontinuierlich steigend sind, da WikiLeaks immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit drängt, Bankgebühren, Registrierungsgebühren und sonstigen Bürokratiekosten. Der Personalkostenblock ist deshalb so hoch, da die große Menge an bereitgestellten Material gesichtet, zusammengefasst und auf Plausabilität geprüft werden muss. Neben dem Kernteam engagieren sich etwa 800 weitere Mitarbeiter sporadisch in Teilzeit. Kosten für Schadensersatz und richterlich beschlossenen Abmahnungen sind bislang nicht angefallen, da alle Prozesse gewonnen wurden.

Aktuell deckt WikiLeaks die Kosten, wie für eine NPO üblich, aus Spenden mit der Einschränkung, dass finanzielle Unterstützungen nur von Privatpersonen angenommen werden. Finanzielle Spenden von Regierungen und Unternehmen werden nicht akzeptiert, um die politische Unabhängigkeit zu gewährleisten. Potentielle Spender können WikiLeaks aktuell per Banküberweisung, Kreditkarte oder auf postalischem Weg unterstützten. Die aktuelle Diskussion mit PayPal ergab, dass der Finanztransaktionsdienstleister den Account von WikiLeaks geschlossen hat, sodass diese Spendenmöglichkeit nicht mehr existiert. Darüber hinaus erhält WikiLeaks Spenden in Form von Anwaltsleistungen von anderen Organisationen und Unternehmen, die meist der Medienbranche entstammen. Deren Motivation ist WikiLeags als vermeintlich schwächstes Glied im Nachrichtensystem zu erhalten, da sie befürchten, dass im Falle einer richterlich angeordneten Schließung der Seite die gleiche Argumentation auch auf andere Nachrichtendienste angewendet werden könnte. Ein weiterer möglicher Grund geht dahin, dass größere Medien Konzerne sich diese Art des Journalismus nicht leisten können und daher einen „versteckten“ Outsourcing-Gedanke forcieren. Unter den Supportern befinden sich große Unternehmen wie die Los Angeles Times, Associated Press und die National Newspaper Association. Aber auch die deutsche Wau Holland Stiftung fördert das Projekt mit umfangreichen Beträgen und ruft zu Spenden an die Stiftung auf.

Die fünf Vollzeit-Mitarbeiter von WikiLeaks finanzieren ihr jetziges Leben überwiegend aus Zeiten vor Wikileaks. So war Assaange beispielsweise erfolgreicher Internetunternehmer.

Autor: Timo Schürmann, Bastian Pott (Masterstudenten New Media Management, FHM)

Julian Assange ist das Gesicht der Internetplattform WikiLeaks. Er gilt als Gründer und tritt als alleiniger Sprecher auf, was ihn zur Zielscheibe von Regierung und Medien macht. Sein Prinzip ist die unbedingte Informationsfreiheit und er lehnt jede Form von Zensur ab. Assange hat durch seine Arbeit die Debatte über den Datenschutz neu entfacht und die Welt gespalten: Einige feiern ihn als Freiheitskämpfer und die anderen stufen ihn als „hochgefährlich“ ein.

Der politische Aktivist und Journalist Julian Assange wurde 1971 in Queensland, Australien geboren und studierte Physik und Mathematik an der University of Melbourne. Schon in jungen Jahren führte er unter dem Pseudonym „Mendax“ erste Hacker-Angriffe durch. Assange wurde damals in 24 Fällen angeklagt und für schuldig befunden.
Seit 2006 ist Julian Assange für Wikileaks aktiv und unterstützt das Unternehmen unentgeltich. Er wurde aufgrund seiner Arbeit bei dem „Enthüllungsportal“ mehrmals angeklagt – allerdings erfolglos. In diesem Jahr gelang WikiLeaks der bisher größte Coup und die Plattform erhielt über Nacht eine besonders hohe Aufmerksamkeit durch Medien und Behörden. Der Grund war die Veröffentlichung von 92.000 geheimen Dokumenten der NATO. Julian Assange wurde als WikiLeaks-Sprecher zu einem der meistgesuchten Menschen der Welt. Doch nicht nur die amerikanische Regierung will Assange im Gefängnis sehen, sondern auch die schwedische Polizei suchte ihn wegen eines Sexualdelikts. Assange selber vermutet hinter der Anklage eine Kampagne der US-Regierung, um ihn mundtot zu machen. Nach wochenlangen Ermittlungen stellte sich Assange Anfang Dezember in London und wurde festgenommen. Das Gericht in London hat inzwischen einer Freilassung gegen eine Kaution in Höhe von insgesamt 240.000 Pfund zugestimmt. Doch die schwedische Justiz hat Berufung gegen die Freilassung eingelegt und fordert die Auslieferung ins eigene Land. Über den Antrag wird in den nächsten Tagen entschieden, solange bleibt Assange mindestens noch in Haft.
Fraglich ist, ob Julian Assange dem Medienrummel und den Anklagen standhält und sein Ziel weiterverfolgt. Oder ob er WikiLeaks den Rücken kehrt und seine Mission der kompromisslosen Informationsfreiheit aufgibt.

Autor: Natalie Engelhardt, Larissa Velte (Masterstudenten New Media Management, FHM)