Eine Schnurre ist in meiner anhaltinischen Heimat eine kurze, lustige Geschichte. Über dien nun folgende Geschichte muss ich immer wieder schmunzeln – aber ich habe sie so erlebt, sie ist wahr. Sie zeigt, wie manche grosse Änderung ihren kleinen Anfang nahm. Die Internet- Schnurre hatte ich eigentlich für die Veröffentlichung in unserem Buch vorgesehen – doch am Ende reichte der Platz nicht. Hier also meine Geschichte:

In den achtziger Jahren war das, was wir heute das Internet nennen, oftmals nur vereinzelt in „westlichen“ akademischen Umgebungen bekannt. Ich betone dies, weil ich in jener Zeit zwar als Forscher an einem Institut tätig war, diese Forschungsstätte sich jedoch in Sachsen befand.

Damals war Sachsen noch nicht wieder Freistaat und als Bestandteil eines heute glücklicherweise verschwundenen Ländchens alles andere als „frei“. Die selbsternannten Häuptlinge des Ländchens sorgten allerdings dafür, dass das Institut, in welchem ich zu jener Zeit mikroelektronische Schaltungen und Programme entwickelte, über die Kanäle der „Schlapphüte mit den schwarzen Ledermänteln“ hochmoderne Rechentechnik erhielt.
In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass das 1959 gegründete Coordinating Commitee for East West Trade Policy (abgekürzt CoCom) eine ständig aktualisierte Liste von Gütern, die nicht in das „Reich des Bösen“ geliefert werden sollten, zusammengestellte. Lieferverbot nach dieser Liste bestand natürlich auch für moderne, amerikanische Rechnersysteme.
Aber selbstverständlich war es nur eine Frage des Preises und der geheimdienstlichen Verschleierung, bis CoCom- widrig auch die damals besonders leistungsstarken 32- Bit Prozessrechner VAX-11 der US- Firma Digital Equipment Corporation in die sächsische Provinz geliefert wurden. Nachdem verräterische Typenschilder abmontiert und alle Bildschirmausgaben des Betriebssystem von listigen Programmierern ins ROBOTRON- deutsch übersetzt worden waren, konnten meine damaligen Kollegen und ich an einer richtigen „Maschine“, so der Tarnname für die VAX11, arbeiten. Weil auch an andere, über das heute nicht mehr existierende Ländchen verteilte, volkseigene Unternehmen solche 32- bit Wunderwerke erhielten, konnte eines der ersten real- sozialistischen Datennetzwerke entstehen. Zwar wegen der geringen Datenübertragungsraten der Postleitungen langsam. Aber dennoch eindrucksvoll, konnte man per DECNET Daten und Botschaften austauschen – ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte.

Oft habe ich mich seitdem gefragt, wie die Schnüffelgenossen des untergegangenen Ländchens mit dem INTERNET umgegangen wären. Aus der Perspektive der Endachtziger wäre allein der Aufbau der technischen Infrastruktur nicht vorstellbar gewesen. Doch dies muss alles im Reich der Vermutungen bleiben.

So kam, nach den 89er politischen Veränderungen, das Internet dann wirklich nach Sachsen: Im Frühjahr 1990 konnte ich für einige Zeit die Kanadische Carleton- University in Ottawa besuchen. An der dortigen School of Computer Science bekam ich interessante Einblicke in Forschung und Lehre. Praktisch bedeutete dies, für ein paar Wochen in die dortige und internationale wissenschaftliche Community eingebunden zu sein. Ein Traum der vergangenen Jahre ging in Erfüllung. Dort wurde bereits zu dieser Zeit das Internet für die akademische Nutzung von  Email, Newsgroups und Usenet eingesetzt. Es begeisterte mich, wie die weltweite Community der Informatiker auf diese Weise zusammenrückte und effektiv kommunizieren konnte. PCs waren übrigens damals noch nicht so stark verbreitet. Man arbeitete meist auf UNIX- Workstations von SUN oder auf Apple- Rechnern. Zurückgekehrt in die sächsische Metropole wollte ich natürlich weiterhin Email einsetzen. Das erschien aber recht schwierig. Es gab doch kurz nach der Wende noch keine wirklich funktionierenden Kommunikationsnetze für Daten. In meinem Büro stand damals ein ROBOTRON PC K1715. Zur Erinnerung: 8-bit Prozessor mit 2,4 MHz Taktfrequenz, der Hauptspeicher war standardmäßig mit 64 KByte bestückt. Ein Modem war auch noch vorhanden. Ein Mailprogramm für das Betriebssystem DOS hatte ich per Floppy aus Kanada mitgebracht. Die Erfassung und Verarbeitung der Mails war damit gesichert.

Doch wohin die Daten schicken? Wie Mails erhalten? Eine ebenso kreative wie abenteuerliche Lösung half: Über das handvermittelte (!) Datennetz der ostdeutschen Post wurden die Daten täglich einmal aus meinem Büro an ein Institut in Ostberlin übertragen. Dieses Institut befand sich in der Leipziger Strasse, nur einen Steinwurf entfernt von der damals noch vorhandenen Mauer. Auf einem Rechner in jenem Institut wurden die Daten zunächst zwischengespeichert. Nun wurde es abenteuerlich: Vom Ostberliner Gebäude aus wurde über die noch vorhandenen Grenzanlagen hinweg ein Signalkabel zu einem Westberliner Universitätsgebäude direkt hinter der Mauer gespannt. Dort konnte man sich an das interne Netzwerk anschließen. Aufgabe gelöst – ich war am Internet! Von nun an konnte ich einmal täglich Mails empfangen und versenden. Der Anfang war gemacht – von der ersten sächsischen Internet- Verbindung bis zur effektiven Nutzung von Social Software sollte noch einige Zeit vergehen

SEO-united.de stellte vor einigen Tagen fest, der „SEO-Goldrausch“ sei nun vorbei.

Alex Sczakiel sagt da, daß einerseits die On-the-Page-Optimierung heute oftmals bereits durch professionelles Webdesign auf der Basis von Content Management Systemen erledigt wird. Da gäbe es nicht mehr viel zu tun. Dem stimme ich voll zu. Andererseits – Off-the-Page-Optimierung würde, so Sczakiel, quasi durch Social Media Optimization übernommen. Das sehe ich genauso – aber hier wird’s sehrs interessant: Ich bin froh, dass  die Diskussion um das Verhältnis von Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Social Media Optimization (SMO) an so prominenter Stelle ein weiteres Mal aufgegriffen wurde. Diesmal sachlich und ohne gegenseitige Beschimpfungen! Zur Erinnerung: Wir hatten bereits Ende 2007 mit einem inhaltlich ähnlich gelagerten, stark polarisierenden  Interview für die Wirtschaftswoche, die Diskusssion zum Thema SEO vs. SMO angefacht. Damals schlug uns von Ayom bis Abakus emotional gefärbte Ablehnung entgegen. Sachliche Argumente, die die steigende Bedeutung von SMO widerlegt hätten, gab es kaum. Allerdings, weitsichtige Fachleute, wie der  PR-Blogger Klaus Eck, griffen bereits damals das Thema auf.

Hierzu nochmals einige Gedanken zu Thema Das  Verhältnis von SEO zu SMO, je nachdem wie es gesehen wird, drückt  nicht die Überlegenheit des einen Verfahrens gegenüber dem anderen aus. Die Relation ist beim gegenwärtigen Stand der noch nicht abgeschlossenen wissenschaftlichen Diskussion doch eher Ausdruck unterschiedlicher Perspektiven. Meine gegenwärtige Perspektive ist geprägt von der Annahme, dass Kommunikation in einem großen Netzwerk zunächst als sozialer Prozess aufzufassen ist. Zu Zwecken des Online – Marketing ist dieser Prozess auf ein bestimmtes Kommunikationsziel hin zu optimieren. Diese Optimierung unterliegt unterschiedlichsten Einflüssen – von denen manche z.B.  durch die Optimierungsregeln nach Bhargava andere wiederum nach den Regeln der SEO beeinflussbar sind.  Wichtig ist, dass sie gemeinsam auf den Prozess einwirken.

Ich meine dass SMO starke Auswirkungen auf SEO hat. Dies zeigt die  Vernetztheit der Abläufe. SEO hat ebenso Rückwirkungen auf SMO: SERPs können per Mashup in Social Network- Portalen erscheinen und darüber den sozialen Prozess beeinflussen.
Zur Frage „SEO- Ende des Goldrauschs“: SEO durchlief eine Reihe von Entwicklungsschritten, die ihrerseits eng an die technische Entwicklung der Suchmaschinen  und die algorithmische Evolution der Verfahren gekoppelt waren. Und ich meine, dass wir hier nunmehr einen Zwischenschritt erreicht haben, der im Sinne  der  „Negation der Negation“ eine neue Qualität hervorbringen muss. Also – einfach ausgedrückt – ich meine „Ende“ muss nicht „Schluss“  heissen, sondern „Abschluss“ vor dem nächsten Schritt.
Worin könnte also der nächste Schritt der SEO- Entwicklung bestehen? Lasst mich nur einen einzigen wichtigen Gesichtspunkt beleuchten: Gegenwärtige implementierte Algorithmen berücksichtigen m.E. die Semantik nur eingeschränkt. Trotz langjähriger Forschungen ist es nicht gelungen, praktikable Verfahren bereitzustellen. Einerseits mangelt es an handhabbaren Ontologien andererseits an entsprechenden Modellen. Neueste Entwicklungen aus dem WEB 2.o scheinen aber zu interessanten Lösungen zu führen. Über das Tagging verbinden User ihre eigene Semantik mit Objekten. Der soziale Prozess führt dann u.a. zur Herausbildung von Folksonomies. Diese Folksonomies kombiniert mit algorithmischer Suche können in der Tat zu einer Form der semantischen Suche führen. Denken wir nur daran, dass Audio- und Video- Inhalte m.E. nur durch Metadaten, z.B. Tags, beschreibbar sind. Die momentan noch eingeschränkte Nutzung von Tagging und Social Bookmarking, insbesondere im europäischen Bereich, ändert nichts am Prinzip.
Ist SMO geeignet ist, Verkäufe zu generieren? –  Es liegen empirische Ergebnisse vor, die bestätigen, dass SMO  durchaus Käuferverhalten beeinflusst. Denken wir doch beispielsweie an die Rezensionen bei Amazon – ein klassisches Beispiel dafür, dass mit SMO (hier Aufbau von Digital Reputation) der Verkauf beeinflusst wird.
Ist es für Unternehmen weiterhin wichtig, bei Google oben zu stehen? Natürlich – Aber: Zweifellos generiert SMO  zusätzlichen Traffic für Portale. Die  Volumina dieser zusätzlichen Datenaufkommen  steigen seit einiger Zeit und werden sich auch in Zukunft weiter erhöhen. Doch eine Verlagerung der Online- Marketing- Aufwände von SEO hin zu SMO wird stattfinden. Daher wird es für Unternehmen immer weniger wichtig ……. hauptsächlich oder allein  in die Suchmaschinenpositionierung zu investieren. Eine Verschiebung der Budgets hin zu Social Media Marketing zeichnet sich ab. Dass die Suchmaschinenposition dennoch außerordentlich wichtig bleibt, versteht sich von selbst.