Die Umsetzung der Prinzipien der Social Software im Unternehmen verändert die Unternehmenskultur. Wir meinen in unserem Buch „Web 2.0 im Unternehmen“, dass diese Veränderung positiv zu bewerten ist und letztlich gegenkulturelle Gesellschaftskonzepte aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts umzusetzen versucht.

Unternehmensethik – die praktische Philosophie, welche sich mit dem menschlichen Handeln in betrieblichen Umgebungen befasst – steht ganz offensichtlich auch im Zusammenhang zur neuen Unternehmenskultur 2.0. Das kürzlich eröffnete Portal xethix hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, diesem Zusammenhang nachzugehen. Daher wird Prof. Leisenberg zukünftig als Kooperationspartner bei xethix mitwirken.

Ursula Coester, eine der Macherinnnen des neuen Portals, beschreibt das Anliegen von xethix so:

„Das Klima für Unternehmen sowie im beruflichen Alltag wird zunehmend rauer: Wirtschaftskrise, Kurzarbeit, Machtkämpfe, Vergütungsdebatten, Entlassungen und vieles mehr tragen dazu bei, dass Menschen den Eindruck gewinnen, in einer Ellenbogengesellschaft zu leben. Die Macher der Plattform für ethisches Miteinander, www.xethix.com, wollen dem entgegentreten und künftig den Austausch von Strategien sowie Ideen im Hinblick auf ethische Fragen des Wirtschaftens unterstützen. Ziel der Plattform ist es, die Grundsätze ethischer Unternehmensführung zu fördern und zu verbreiten sowie zu zeigen, dass ethisches Denken und Handeln mit unternehmerischen Geschäftszielen in Einklang zu bringen ist. Mittlerweile lässt sich unethisches Handeln von Unternehmen nicht mehr so leicht verbergen – weder vor der Öffentlichkeit noch vor den eigenen Mitarbeitern. Das Web 2.0 macht vieles transparent, was früher hätte verschwiegen werden können – bestes Beispiel die Kampagne gegen Jack Wolfskin oder jetzt aktuell BP und die Ölkatastrophe. Ein Grund mehr also für Unternehmen, sich mit Ethik und Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

Im Sinne des Netzwerkgedankens wird den Mitgliedern der Plattform die Möglichkeit geboten, sich mit anderen Mitgliedern, Organisationen sowie Verbänden virtuell auf der Plattform oder persönlich auf Veranstaltungen auszutauschen.

Die Plattform bietet einen für jedermann zugänglichen Informationspool an Nachrichten sowie Fachartikeln zum Thema Ethik und Nachhaltigkeit. In einem geschlossenen Bereich für Mitglieder können sich diese dann zu einzelnen Fragen austauschen, Beiträge kommentieren und Kontakte untereinander sowie zu Experten der verschiedenen Disziplinen knüpfen. „

Wir sind gespannt darauf, welche neuen Gespräche, die natürlich hier im Blog dokumentiert werden, sich aus der Kooperation ergeben.

Weitere Antwortmöglichkeiten im Kommentar-Bereich sind willkommen.

Unter dieser  Überschrift diskutieren wir im Buch das Verhältnis von  eventuell notwendigem Geheimnisschutz im Unternehmen und der durch Web 2.0 und Social Software  erzwungenen Transparenz.

Allgemeine Transparenz  ist für die meisten Unternehmen schwer bis unmöglich umsetzbar. Das genaue Gegenteil ist heute ein dermaßen fester Bestandteil der Unternehmenskultur und über einen sehr langen Zeitraum eingeübt, dass ein Wechsel nur unter enormen Anstrengungen möglich sein dürfte.

Die oftmals fehlende betriebliche Offenheit oder Transparenz, die häufige Undurchschaubarkeit von Prozessen, Beziehungen oder Bewertungen, läuft auf unterschiedlichen Ebenen ab. Nach draußen, gegenüber der Umwelt, ist die mächtigste Mauer errichtet. Man riegelt sich mithilfe von Arbeitsverträgen, Verschwiegenheitsvereinbarungen mit Lieferanten und Partnern, technischen Hilfsmitteln und nadelöhrähnlichen zentralen Abteilungen für Marketing, Unternehmenskommunikation oder Public Relations systematisch ab.

Begreiflicherweise wird es in Zeiten von E-Mails, sozialen Netzen, Twitter und Weblogs für Unternehmen immer schwieriger, Geheimnisse zu haben oder vertrauliche Informationen zu bewahren und zu schützen. Der vorbeugende und konspirative Aufwand übersteigt aus plausiblen Gründen immer häufiger den Nutzen. Technische Maßnahmen wie E-Mail-Analysen sind nicht immer juristisch vertretbar und untergraben das Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern. Daher muss man heute sehr viel sorgfältiger vorher prüfen, was man wirklich noch zum Betriebsgeheimnis erklären möchte, dessen aufwendiger Schutz sich dann auch lohnt. Eine genaue Überprüfung würde wahrscheinlich Erstaunliches zutage fördern. In einigen Branchen der Wirtschaft muss man die Unterschiede zwischen den Unternehmen mit der Lupe suchen. Viele Mitarbeiter haben international vergleichbare Ausbildungen nach abgestimmten Richtlinien genossen. Maschinenbauingenieure zum Beispiel verfügen unabhängig von ihrer Ausbildungsstätte über sehr ähnliche Fähigkeitsprofile, und zwar weltweit. Das Gleiche gilt für fast alle anderen Studiengänge und Ausbildungsberufe.

Zurückhaltung und Schutz von Wissen und Informationen entscheiden immer weniger über Wettbewerbspositionen und Marktvorteile. Es nützt kaum noch, Wissensdaten aufwendig vor der Verbreitung außerhalb des Unternehmens zu schützen. Natürlich gibt es auch heute noch Informationen, beispielsweise Forschungsergebnisse und Patente, aber auch Kunden- und Lieferantendaten, die erhebliche Wettbewerbs- und teilweise auch Datenschutzrelevanz haben und deren Schutz sich deshalb lohnt. Dies dürfte allerdings deutlich weniger Informationen betreffen, als allgemein angenommen oder erwartet wird. Es ist heute üblich, erst einmal alles unter Geheimhaltung zu stellen und ausnahmsweise die Freigabe zu erteilen.

Wir sind allerdings der Meinung, dass die allgemeine Verfügbarkeit von Wissen ist zu groß, als dass es durch Zurückhaltung noch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnte. Heute ist es eine entscheidende Fähigkeit, über die Unternehmen verfügen müssen, Wissen zu bewerten und produktiv einzusetzen. Das bessere Wissensmanagement entscheidet häufig über den Erfolg im Wettbewerb.

Offenheit und Transparenz, insbesondere über das Web 2.0,  sind daher zu einer großen Chance und zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor geworden.

Wer die Früchte des Prinzips „Enterprise 2.0“ ernten möchte, kann auf weitgehende interne und externe Transparenz keinesfalls verzichten. Die Vorteile umfassender Verfügbarkeit betrieblicher Informationen sind enorm und dürften für die meisten Unternehmen viele, wenn nicht alle  befürchteten Nachteile mehr als ausgleichen. Effizienz sowie Wissensmanagement werden sich dadurch verbessern. Und das Beste: Der Arbeitsaufwand für Abstimmung und Schnittstellen kann deutlich reduziert werden.

Die Gewinner des Twitter-Gewinnspiels stehen fest! Eine gebundene Fassung des Buches hat gewonnen: @Georg_Franz. Jeweils eine Buchversion aus dem iBooks-Store haben gewonnen: @thgerlach sowie @dogandbonede. Die Gewinner werden in Kürze via Twitter persönlich benachrichtigt.

Herzlichen Glückwunsch!

Das Video zeigt den Mitschnitt der Ziehung der Gewinner am 11.08.2010:

Weiterhin vielen Dank an alle anderen Teilnehmer, die dieses Mal leer ausgegangen sind. Eine neue Chance gibt es sicherlich schon ganz bald…

„Web 2.0 im Unternehmen“ hat es bereits ins Lokalradio geschafft. Sowohl bei Radio Gütersloh als auch bei Radio Bielefeld lief jeweils ein kurzes Interview mit Buchautor Manfred Leisenberg. Hier der Mitschnitt von Radio Gütersloh mit Moderator Mario Lüke als Interviewpartner:

Radiobericht Radio Gütersloh